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Für Einsteiger8 Min. Lesezeit

SAP S/4HANA Architektur einfach erklärt für Anwender (UC_FL_S42023)

MBAutor: Mario Bahunek — SAP-zertifizierter Trainer
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Wenn du dich auf die SAP Foundation Level Anwenderzertifizierung (UC_FL_S42023) vorbereitest, taucht ein Themenblock auf, vor dem viele Quereinsteiger zurückschrecken: die Architektur von SAP S/4HANA. Klingt nach Technik, klingt nach Programmierung — ist aber für Anwender genau das, was es soll: verständlich.

Aus über 250 Comcave-Teilnehmern in meinen Kursen weiß ich: wer einmal die drei Schichten verstanden hat (HANA, S/4HANA, Fiori), antwortet auf Architektur-Fragen souverän. Und kann nebenher im Bewerbungsgespräch erklären, was dieses „S/4HANA" eigentlich ist.

Was du laut Zertifizierungsleitfaden wissen musst

Aus dem offiziellen Leitfaden UC_FL_S42023 (Version 12/2024 V24.01):

  • Buchungscode: UC_FL_S42023
  • Softwarekomponente: SAP S/4HANA 2023
  • 60 Fragen, 60 Minuten
  • Bestehensgrenze: 55 % | mit Auszeichnung: 75 %
  • 5 Jahre gültig
  • Hilfsmittel: keine zugelassen
  • Durchführung: Onlineprüfung bei einem SAP-Partner

Architektur-relevante Themengebiete in der Prüfung:

  • Allgemeine Grundlagen — 1-10 % der Fragen
  • Systemweite Konzepte — 1-10 % der Fragen
  • SAP Fiori — 11-20 % (großer Block)
  • Embedded Analytics — 11-20 % (großer Block)
  • Logon GUI und Steuerung — 1-10 %
  • Grundlagen Logistik — 1-10 %
  • Grundlagen Rechnungswesen — 1-10 %

Die reine „Architektur" deckt also rund 20-30 % der Prüfung ab, wenn man Fiori und Embedded Analytics dazuzählt — ein großer Block, den du gut verstehen solltest.

SAP S/4HANA in einem Satz

SAP S/4HANA ist die nächste Generation der SAP-Geschäftsanwendungen — der Nachfolger von SAP R/3 und SAP ERP. Drei Dinge unterscheiden S/4HANA technisch von R/3:

  • Die In-Memory-Plattform SAP HANA als Datenbank-Grundlage
  • Eine vereinfachte, einheitliche Datenstruktur mit deutlich weniger Tabellen
  • Die SAP-Fiori-Benutzeroberfläche als modernes UX-Design

Die drei Schichten von SAP S/4HANA — von unten nach oben

Im Kurs zeichne ich das immer als Drei-Stockwerks-Haus: unten die Plattform, in der Mitte die Anwendung, oben die Oberfläche.

Schicht 1 — SAP HANA: die In-Memory-Plattform

SAP HANA ist eine vollständige In-Memory-Datenbank — die Daten liegen also nicht (wie bei klassischen Datenbanken) auf der Festplatte, sondern komplett im Hauptspeicher (RAM). Das macht Datenzugriffe drastisch schneller.

HANA hat vier Funktionsbereiche:

  • Anwendungsentwicklung — neben der Datenbank bietet HANA auch Services, mit denen Anwendungen direkt darauf entwickelt werden (zweistufig statt klassisch dreistufig)
  • Erweiterte analytische Verarbeitung — verarbeitet auch neue Datentypen wie Text, räumliche Daten, Grafiken in Echtzeit
  • Datenintegration — Streaming-Analysen, Lesen aus Big-Data-Speichern (z.B. Hadoop), IoT-Synchronisation, eingebaute ETL-Funktionen
  • Datenbankmanagement — Spalten- und Zeilenspeicher, der gleichzeitig OLTP (Online Transaction Processing) und OLAP (Online Analytical Processing) unterstützt

Das letzte ist für Anwender besonders wichtig: Bei früheren SAP-Systemen brauchtest du zwei verschiedene Systeme — eins für tägliche Transaktionen (Buchungen, Bestellungen, OLTP) und ein separates Data Warehouse für Auswertungen (OLAP). SAP HANA macht beides in einem System gleichzeitig — und damit sind Auswertungen in Echtzeit möglich.

Schicht 2 — SAP S/4HANA: das Cloud ERP

Auf SAP HANA aufgesetzt läuft die eigentliche Geschäftsanwendung: SAP S/4HANA. Das ist das ERP-System, mit dem du täglich arbeitest — Bestellungen anlegen, Aufträge erfassen, Rechnungen buchen, Lager verwalten.

Das Cloud ERP umfasst die typischen Geschäftsbereiche:

  • Herstellen, Verkaufen, Liefern, Finanzen — die Kernprozesse
  • Kaufen, Service, Wartung, Entwicklung, Personen — die unterstützenden Prozesse

Das ist das, was du in der Logistik (Modul MM/SD/EWM) oder im Rechnungswesen (Modul FI) konkret tust.

Schicht 3 — SAP Fiori: die Benutzeroberfläche

SAP Fiori ist kein einzelnes Programm, sondern ein Designsystem — eine Sammlung von Regeln, wie SAP-Software aussehen und sich bedienen soll, einheitlich auf allen Plattformen und Geräten. Konkret bekommst du als Anwender:

  • Das SAP Fiori Launchpad als zentralen Einstiegspunkt — wie ein „App-Store" für deine SAP-Aufgaben
  • Rollenbasierte Bereiche und Seiten — du siehst nur die Apps, die für deine Rolle relevant sind (siehe auch SAP Fiori Launchpad — Anwender-Grundlagen)
  • KPI-Kacheln — Kennzahlen sofort sichtbar, ohne Auswertung starten zu müssen
  • Drilldowns — vom Überblick zu Details mit wenigen Klicks
  • Native SAP-Fiori-Apps mit eingebetteten Analysen (Embedded Analytics)

SAP BTP — die Plattform für alles drumherum

Neben SAP HANA gibt es noch die SAP Business Technology Platform (BTP). Wichtig zu verstehen — und ein klassischer Verwechslungs-Fehler in der Prüfung: BTP ist nicht SAP HANA. BTP ist die übergeordnete Plattform, die App-Entwicklung, Integration, Datenanalyse und intelligente Technologien (KI, ML) bündelt.

BTP umfasst vier Bereiche:

  • App-Entwicklung — Prozessautomatisierung, Low-Code/No-Code, Entwicklungsvorgänge
  • Integration — Prozess- und Datenintegration, API-geführte Integration, Ereignisintegration
  • Daten und Analysen — Datenbank, Datenmanagement, Data Warehouse, Analysen und Planung
  • Intelligente Technologien — vorgefertigte KI-Modelle, intelligente Prozesse, selbstlernende Programme

Für die Foundation-Level-Prüfung musst du nicht jeden BTP-Bereich auswendig kennen — aber du solltest verstehen: BTP ist die Plattform, auf der SAP S/4HANA und ergänzende Lösungen miteinander vernetzt werden. Es ist die „Klebeschicht" zwischen den SAP-Anwendungen und externen Systemen.

Cloud, On-Premise oder Hybrid — die Bereitstellungsoptionen

SAP S/4HANA wird in mehreren Varianten angeboten:

  • SAP S/4HANA Cloud, Public Edition — sofort einsatzbereites Cloud-ERP mit branchenspezifischen Best Practices, kontinuierlichen Innovationen, vorab konfiguriert. Zielgruppe: Mittelständische Unternehmen.
  • SAP S/4HANA Cloud, Private Edition — maßgeschneidertes Cloud-ERP, das sich an die einzigartige Transformation des Unternehmens anpasst. Zielgruppe: Große Unternehmen.
  • SAP S/4HANA (On-Premise) — wird auf den eigenen Servern des Unternehmens betrieben. Vollständig anpassbar, aber Wartung und Updates liegen beim Unternehmen.

Dazu gibt es zwei Einführungsprogramme:

  • GROW with SAP — für mittelständische Unternehmen, die Cloud Public Edition mit Geschwindigkeit und Planbarkeit einführen wollen
  • RISE with SAP — für große Unternehmen, die ihr bestehendes ERP-System auf KI-gestütztes Cloud-ERP modernisieren wollen (Private Edition)

Warum heißt es eigentlich „S/4HANA"?

Die SAP-Geschichte in vier Stationen:

  • 1979 — SAP R/2: Standardsoftware für Mainframe-Computer
  • 1992 — SAP R/3: Drei-Ebenen-Architektur (Client, Anwendung, Datenbank), grafische Oberfläche, Geburtsstunde der Client/Server-Welt
  • 2004 — SAP ERP: SOA (serviceorientierte Architektur), basierend auf SAP NetWeaver, integriert mit Internet-Standards
  • 2015 — SAP S/4HANA: komplette Neuentwicklung der Business Suite, optimiert für In-Memory-Hardware, neue Designsprache (Fiori)

Das „4" in S/4HANA bezieht sich auf die vierte Generation von SAP-Geschäftssoftware (nach R/2, R/3, ERP). Das „HANA" zeigt: diese Generation läuft ausschließlich auf SAP HANA — anders als ältere Versionen, die auf verschiedenen Datenbanken liefen (Oracle, DB2, MS SQL Server).

Stand 2023 hatten über 26.270 Kunden weltweit SAP S/4HANA im Einsatz — Wachstum von 2.700 im Jahr 2015. Das ist ein typischer Cross-Frage-Anker: SAP ist nicht „neu mit HANA", aber HANA ist die größte Architektur-Umstellung seit R/3.

Was Anwender konkret von dieser Architektur haben

Du musst nicht programmieren können, um die Vorteile zu nutzen. Aber wenn du in der Prüfung gefragt wirst „Welche Vorteile bietet SAP S/4HANA gegenüber SAP R/3?" — diese drei Punkte sind die richtigen:

  • Echtzeit-Auswertungen — kein Warten auf Nacht-Batches mehr, weil OLTP und OLAP im selben System laufen
  • Vereinfachte Bedienung — durch SAP Fiori weniger Klicks, weniger Bildwechsel, mobile Verfügbarkeit auf allen Geräten
  • Embedded Analytics — Kennzahlen direkt im Bedien-Workflow sichtbar, nicht nur im separaten Reporting-Tool

Mit Übungsfragen vertiefen

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Offizielle Quelle

Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_FL_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:

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