Lagerstrukturen in SAP EWM: Lagernummer, Lagertyp, Lagerplatz erklärt (UC_EWM)
Wenn du dich auf die SAP Extended Warehouse Management Anwenderzertifizierung (UC_EWM_S42023) vorbereitest, taucht ein Themenblock auf, an dem viele Quereinsteiger zunächst hängen bleiben: die Lagerstruktur in SAP EWM. Lagernummer, Lagertyp, Lagerbereich, Lagerplatz — das klingt nach vielen Begriffen, ist aber in Wahrheit eine klare Hierarchie, die du in 15 Minuten verstanden hast.
Aus über 250 Comcave-Teilnehmern in meinen EWM-Kursen weiß ich: wer einmal die vier Ebenen sauber unterscheidet, beantwortet einen großen Teil der Prozessfragen automatisch — die Begriffe tauchen in fast jedem anderen EWM-Thema wieder auf.
Was du laut Zertifizierungsleitfaden wissen musst
Aus dem offiziellen Leitfaden UC_EWM_S42023 (Version 12/2024 V24.01):
- Buchungscode: UC_EWM_S42023
- Softwarekomponente: SAP S/4HANA 2023
- 60 Fragen, 90 Minuten (Fachmodul, deshalb 30 Min mehr als Foundation Level)
- Bestehensgrenze: 55 % | mit Auszeichnung: 75 %
- 5 Jahre gültig
- Hilfsmittel: keine zugelassen
- Durchführung: Onlineprüfung bei einem SAP-Partner
Lagerstruktur-relevante Themengebiete in der Prüfung:
- Lagerstruktur und grundlegende Prozesse in SAP EWM — 11-20 % (++)
- Strukturelemente und Stammdaten — 1-10 % (+)
- Lagerorganisation und Optimierung — 11-20 % (++)
- Wareneingangs- und Warenausgangsprozesse — 11-20 % (++)
- Überwachung und zusätzliche Funktionen — 11-20 % (++)
- Ressourcenmanagement und Lagererweiterungen — 11-20 % (++)
- Allgemeine Themen zu Supply Chain Execution — 11-20 % (++)
- Lagerausführung mit SAP EWM — 1-10 % (+)
Wenn du die Lagerstruktur sicher beherrschst, hast du also bereits einen der größten Themenblöcke der Prüfung im Griff — plus du verstehst die Begriffe, die in allen anderen Themen wiederkehren.
SAP EWM vs. SAP WM — der Unterschied vorweg
Wer aus älteren SAP-Versionen kommt, kennt vielleicht noch SAP WM (Warehouse Management). EWM ist nicht einfach eine Weiterentwicklung — sondern ein komplett neues Produkt mit eigener Architektur. Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings: beide verwenden eine Lagernummer als oberste Organisationseinheit.
Konkreter Unterschied auf Customizing-Ebene: Im SAP-ERP-System ist das Feld für die Lagernummer drei Zeichen lang, in SAP EWM dagegen vier Zeichen. Das ist nicht nur eine technische Feinheit — es ist ein klassisches Prüfungsdetail.
Wenn ein Lager als SAP-EWM-Lager verwendet wird, muss in ERP keine Unterstruktur für dieses Lager konfiguriert werden. Stattdessen wird die ERP-Lagernummer als SAP-EWM-relevant markiert und mit einer EWM-Lagernummer verbunden.
Die Hierarchie auf einen Blick: ERP → EWM
Bevor wir in die EWM-internen Strukturen einsteigen, der Übergang vom ERP-System ins EWM-System:
- Werk (im ERP) — z.B. Werk
SPCW - Lagerort (im ERP) — z.B.
RD00(Wareneingang am Tor) oderAF00(verfügbar für Verkauf) - Lagernummer (im ERP, 3 Zeichen) — z.B.
E00— diese verbindet ins EWM - Lagernummer (in EWM, 4 Zeichen) — z.B.
E100
Ein Werk ist ein Ort, an dem Waren produziert (Fertigungswerk) oder gelagert (Distributionszentrum) und Dienstleistungen erbracht werden. Es wird einem Buchungskreis zugewiesen, also einer Organisationseinheit im Finanzwesen. Lagerorte werden einem Werk zugeordnet und behalten den Bestand für die Bestandsführung im Blick.
Ein Lagerort selbst enthält keine physischen Unterstrukturen. Diese werden über eine Lagernummer definiert. Eine Lagernummer kann sich auf ein einzelnes Gebäude oder mehrere separate Lagergebäude beziehen, die einen Gesamtlagerkomplex bilden.
Schicht 1 — Lagernummer: die oberste Ebene
Die Lagernummer ist die oberste Ebene der Organisationseinheit in der Lagerverwaltung. Die organisatorischen und physischen Attribute eines Lagergebäudes werden im Customizing unter der Lagernummer erfasst.
Beispiele für Eigenschaften, die auf Lagernummer-Ebene festgelegt werden:
- Gewichtseinheit
- Volumeneinheit
- Zeiteinheit
Außerdem werden verschiedene Findungsschemata für Palettierungsdaten und Packspezifikationen auf Lagernummerebene zugeordnet.
In der Praxis ist die Lagernummer üblicherweise ein Gebäude oder ein Distributionszentrum. Befinden sich deine Lagerstätten in verschiedenen Städten oder weiter voneinander entfernt, empfiehlt es sich, jedem Lagerkomplex eine separate Lagernummer zuzuordnen.
Supply-Chain-Unit (SCU)
Hier kommt ein Detail, das in der Prüfung gerne untergeht: Jeder Lagernummer muss eine eindeutige Supply-Chain-Unit (SCU) mit dem betriebswirtschaftlichen Attribut INV (Lager) zugeordnet werden.
Eine SCU ist eine physische Einheit oder Organisationseinheit, die in einem Logistikprozess mit einer oder mehreren betriebswirtschaftlichen Eigenschaften verwendet wird. Die SCU enthält wichtige Informationen wie Land, Region und Zeitzone — und das System greift für die Anzeige sämtlicher Datums- und Uhrzeitfelder auf die Zeitzone der SCU der Lagernummer zurück.
Schicht 2 — Lagertyp: physische oder logische Unterteilung
Ein Lagertyp ist eine physische oder logische Unterteilung eines Lagerkomplexes. Er wird charakterisiert durch Lagertechniken, Platzbedarf, Organisationsform oder Funktion.
Der Lagertyp ist ein vierstelliger Zeichencode, der im Customizing definiert wird. Lagertypen haben eine Lagertyprolle, die festlegt, wofür sie verwendet werden.
Die Lagertyprollen
- Regulärer Lagertyp — ein physischer Bereich im Lager, in dem Produkte gelagert werden. SAP hat einige reguläre Lagertypen vorkonfiguriert.
- Identifikationspunkt — Bereich, in dem Waren während des Einlagerungsprozesses etikettiert, identifiziert und/oder geprüft werden.
- Kommissionierpunkt — Bereich, in dem Waren während des Auslagerungsprozesses geprüft/etikettiert/abgenommen und/oder verpackt werden.
- Identifikations- und Kommissionierpunkt — Bereich, in dem beide Funktionen stattfinden.
- Bereitstellungszonengruppe — eine oder mehrere Bereitstellungszonen im Lager.
- Arbeitsplatz — physischer Bereich, in dem Prozesse wie Dekonsolidierung, Prüfung, Verpackung oder logistische Zusatzleistungen ablaufen.
- Tore — bestimmte physische Standorte, z.B. Tore im Westen des Lagers.
- Yard — ein an das Lager angrenzender Bereich.
- Fördertechnik (Materialflusssteuerung) — Bereich mit automatisierten Fördertechnikanlagen.
- Automatisiertes Lager (gesteuert durch Materialflusssystem) — automatisiertes Hochregallager mit Regalbediengerät.
- Arbeitsplatz in Bereitstellungszonengruppe — Arbeitsplatz innerhalb einer Bereitstellungszone.
- Produktionsversorgung — Bereich, in dem in der Nähe der Produktionslinie Produkte für die Produktion bereitgestellt werden.
Wesentliche Einstellungen bezüglich Einlagerung, Auslagerung oder Warenbewegungssteuerung werden im Customizing des Lagertyps konfiguriert.
Schicht 3 — Lagerbereich: Gruppierung ähnlicher Lagerplätze
Ein Lagerbereich ist eine organisatorische Unterteilung eines Lagertyps. Er fasst Lagerplätze mit ähnlichen Attributen zusammen.
Diese Information wird im Einlagerungsprozess verwendet — das System entscheidet damit, wo eine eingehende Ware gelagert werden soll. Die Kriterien können beliebig definiert werden, typische Beispiele:
- Teile mit großem Gewicht
- Sperrige Teile
- Gefahrstoffe mit bestimmten Eigenschaften
- Schnelldreher (Artikel mit hoher Umschlagshäufigkeit)
- Langsamdreher (Artikel mit niedriger Umschlagshäufigkeit)
Lagerbereiche werden außerdem in Bereitstellungszonengruppen benötigt — also in Lagertypen für Wareneingang und Warenausgang.
Schicht 4 — Lagerplatz: die kleinste Raumeinheit
Der Lagerplatz ist die kleinste Raumeinheit in einem Lager. Er gibt die genaue Position an, an der Produkte gelagert werden.
Eigenschaften eines Lagerplatzes
- Lagernummer/Lagerplatz
- Lagertyp/Lagerbereich
- Platzzugriffstyp/Lagerplatztyp
- Kapazitäten (Gewicht, Volumen, Kapazität)
- Strukturelle Koordinaten (Gang, Säule, Ebene)
- Geografische Koordinaten (X, Y, Z)
Platzkoordinate: 18 Zeichen
Da die Position eines Lagerplatzes meist aus einem Koordinatensystem abgeleitet wird, heißt sie Platzkoordinate. Sie ist 18 Zeichen lang. Beispielsweise entsprechen die Koordinaten 01-02-03 in einem Lagerplatz Gang 1, Säule 2 und Ebene 3.
Wichtig zu merken: Die einem Lagerplatz zugeordnete Platzkoordinate ist im Lager eindeutig. Das ist eine Standard-Prüfungsfrage.
Customizing der Lagerplatzkoordinaten
Das Customizing umfasst zwei Schritte:
- Koordinatenstruktur definieren — also die „Kodierung" des Lagerplatzes durch eindeutige Zeichen pro Komponente: Gang, Säule, Ebene, Platzunterteilung, Platztiefe.
- Vorlagen erstellen, mit denen Lagerplatz-Stammdaten automatisch generiert werden können.
Für Lagerplatzkoordinaten kannst du jegliche Kombination aus Buchstaben und Zahlen verwenden.
Weitere Eigenschaften eines Lagerplatzes
Jeder Lagerplatz muss einem Lagertyp zugeordnet werden und kann einem Lagerbereich zugewiesen sein. Außerdem kannst du festlegen:
- Lagerplatztyp — zur Angabe der relativen Größe und/oder Istmessungen
- Platzzugriffstyp — zur Steuerung des Zugriffs von Ressourcen auf einen Lagerplatz
- RF-Verifikationsfeld — beim RF-Scanning, um sicherzustellen, dass der Zugriff auf den korrekten Lagerplatz erfolgt
- Geokoordinaten — werden bei Warenbewegungen verwendet, um Entfernungen zwischen Lagerplätzen zu berechnen
- Attribute zur Kapazitätsprüfung (maximales Gewicht, maximales Volumen, Gesamtkapazität)
- Brandabschnitt — verwendet im Berichtswesen für Gefahrstoffe
Aktivitätsbereich: für die Lagerorganisation
Lageraktivitäten wie Einlagerung, Kommissionierung und Inventur werden in Aktivitätsbereichen durchgeführt:
- Ein Aktivitätsbereich besteht aus einem oder mehreren zugeordneten Lagerplätzen.
- Abhängig von der Aktivität können Lagerplätze mehreren Aktivitätsbereichen zugeordnet werden.
- Für die Sortierung werden Informationen aus dem Lagerplatz wie Gang, Säule oder Ebene als Sortierkriterien verwendet.
- Aktivitätsbereiche sind nicht obligatorisch — außer für die Inventur.
Das ist ein Detail, das in der Prüfung mehrfach abgefragt wird: Aktivitätsbereiche sind in der Inventur Pflicht, in allen anderen Aktivitäten optional.
Beispiel-Lagerstruktur
So sieht eine vollständige Lagerstruktur in der Praxis aus — Lagernummer 1010:
- Lagertyp 0010 Hochregal mit Lagerbereichen 0001 (Schnell) und 0002 (Langsam)
- Lagertyp 9010 Bereitstellungszone (Eingang) mit Bereich 0001 Eingang (GR-Zone)
- Lagertyp 8010 Dekonsolidierung mit Bereich Deko
- Lagertyp 0050 Festplätze mit Bereich 0001 gesamt
- Lagertyp 8020 Verpackung mit Bereichen Eingang Pack-IN und Arbeit
- Lagertyp 9020 Bereitstellungszone (Ausgang) mit Aus01/Aus02 (GI01/GI02)
- Lagertyp 9050 Yard mit Bereichen 0001 Prüfung (CHCK) und 0002 Tore (D01-D03)
- 9015 Eingangstore, 9025 Ausgangstore
So sieht die Lagerstruktur aus Anwendersicht aus, wenn du Wareneingang oder Warenausgang im SAP-EWM-System bearbeitest.
Was Anwender konkret im Job tun
Die Lagerstruktur ist nicht etwas, was der einzelne Lagerist tagtäglich anlegt — die wird einmalig (oder bei Erweiterungen) durch IT/Customizing gesetzt. Aber: jeder Anwender bewegt sich täglich in dieser Struktur. Wenn du:
- einen Wareneingang verbuchst — du wählst die Ziel-Lagernummer und das System ordnet basierend auf Lagertyp/-bereich den richtigen Lagerplatz zu
- eine Lageraufgabe bearbeitest — sie sagt dir „von Lagerplatz A nach Lagerplatz B"
- einen RF-Scan machst — du bestätigst die Lagerplatz-Koordinate
- eine Inventur durchführst — sie ist nach Aktivitätsbereichen organisiert
...dann bewegst du dich genau in der Hierarchie Lagernummer → Lagertyp → Lagerbereich → Lagerplatz, die du jetzt verstanden hast.
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Offizielle Quelle
Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_EWM_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:
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