sapprep.deJetzt starten →
Module9 Min. Lesezeit

Kundenstammdaten in SAP S/4HANA Sales pflegen (UC_SD_S42023)

MBAutor: Mario Bahunek — SAP-zertifizierter Trainer
LinkedIn

Wenn du dich auf die SAP Sales Anwenderzertifizierung (UC_SD_S42023) vorbereitest, sind die Kundenstammdaten einer der wichtigsten Themenblöcke. Sie sind die Grundlage jedes Vertriebsprozesses — vom Angebot über den Kundenauftrag bis zur Faktura. Wer das Geschäftspartner-Konzept und die drei Datenebenen versteht, hat eine solide Basis für die meisten anderen SD-Themen.

Aus über 250 Comcave-Teilnehmern in meinen SD-Kursen weiß ich: die häufigste Verwechslung ist die zwischen Mandanten-, Vertriebsbereichs- und Buchungskreisdaten — und genau darauf zielen viele Prüfungsfragen. Ich gehe deshalb die drei Datenebenen sauber durch.

Was du für die Anwenderzertifizierung wissen musst

Standard-Eckdaten der SAP-Fachmodul-Anwenderzertifizierung (gleich für FI/MM/SD/EWM):

  • Buchungscode: UC_SD_S42023
  • Softwarekomponente: SAP S/4HANA 2023
  • 60 Fragen, 90 Minuten (Fachmodul)
  • Bestehensgrenze: 55 % | mit Auszeichnung: 75 %
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
  • 5 Jahre gültig
  • Hilfsmittel: keine zugelassen
  • Durchführung: Onlineprüfung bei einem SAP-Partner

Die Stammdaten — insbesondere die Kundenstammdaten — sind ein zentraler Themenblock der Prüfung, weil sie in fast jedem Vertriebsbeleg als Datenquelle dienen.

Datenquellen für Verkaufsbelege

Wenn du einen Verkaufsbeleg (z.B. Kundenauftrag) anlegst, zieht das System Daten aus mehreren Quellen automatisch in den Beleg ein. Diese Datenquellen sind:

  • Geschäftspartner-Stammdaten (Kunde) — Adresse, Zahlungsbedingungen, Versandkonditionen
  • Materialstammdaten — Beschreibung, Gewicht, Volumen, Mengeneinheit
  • Kunden-Material-Informationen — kundenspezifische Materialnummern
  • Konditionsstammdaten — automatische Preisfindung, Materialpreis, Kundenrabatt
  • Nachrichtenstammdaten — Versand von Auftragsbestätigungen via E-Mail, EDI, Fax
  • Steuerungstabellen — im Customizing gepflegt, steuern Vorschlag von Daten

Die meisten übernommenen Daten dienen als Vorschlagswerte, die du bei Bedarf überschreiben kannst. Auch ein vorhergehender Verkaufsbeleg kann als Datenquelle dienen — z.B. das Angebot als Vorlage für den Kundenauftrag.

Das Geschäftspartner-Konzept in SAP S/4HANA

In SAP S/4HANA werden die Stammdaten von Kunden und Lieferanten über Geschäftspartner-Stammdaten verwaltet. Mit diesem Ansatz pflegst du Kunden und Lieferanten zentral — anders als im alten SAP ERP, wo sie getrennt verwaltet wurden.

Konkret: ein und derselbe Geschäftspartner kann gleichzeitig Kunde, FI-Debitor und Kreditor sein — ohne dass du ihn dreifach anlegen musst. Das Geschäftspartner-Konzept bündelt alle Stammdaten und unterscheidet die einzelnen Geschäftskontexte über das Rollenkonzept.

Geschäftspartnertyp wählen

Beim Anlegen eines Geschäftspartners musst du zwingend einen Geschäftspartnertyp auswählen:

  • Person — eine natürliche Person
  • Organisation — ein Unternehmen, eine Abteilung, ein Verband
  • Gruppe — eine Wohngemeinschaft, ein Ehepaar, ein Vorstand

Rollenkonzept — derselbe Partner, mehrere Kontexte

Die Verbindung zwischen einem Geschäftspartner und anderen Komponenten wird durch ein Rollenkonzept erzielt. Eine Geschäftspartnerrolle entspricht einem Geschäftskontext, in dem der Partner auftreten kann.

Mögliche Rollen sind z.B.:

  • Kunde (Rolle ID FLCU01) — relevant für Verkaufsprozesse
  • FI-Debitor (Rolle ID FLCU00) — relevant für Buchhaltung
  • Lieferant / Kreditor — falls derselbe Partner auch Lieferant ist

Nur wenn beide Rollen (FI Debitor + Kunde) gepflegt sind, kannst du den Geschäftspartner sowohl im Vertrieb als Auftraggeber verwenden als auch in der Buchhaltung als Forderungs-Empfänger.

Geschäftspartner-Stammdaten pflegst du entweder mit der Transaktion BP oder mit einer entsprechenden Fiori-App aus dem SAP Fiori Launchpad — die typische App heißt Kundenstammdaten verwalten.

Die drei Datenebenen eines Kundenstammsatzes

Die Geschäftspartnerdaten, die für Debitoren relevant sind, gliedern sich in drei Kategorien — die du auch genau in dieser Hierarchie pflegst.

Schicht 1 — Allgemeine Daten (Mandantenebene)

Allgemeine Daten sind für den Vertrieb und die Buchhaltung relevant. Sie gelten für alle Organisationseinheiten innerhalb eines Mandanten.

Hier liegen z.B.:

  • Anschrift (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort, Land, Region, Sprache)
  • Bankverbindungen
  • Kommunikationsdaten (Telefon, E-Mail)
  • Steuernummern

Schicht 2 — Vertriebsbereichsdaten (Rolle „Kunde")

Vertriebsbereichsdaten sind nur für den Vertrieb relevant. Sie gelten für den jeweiligen Vertriebsbereich, der aus drei Komponenten besteht:

  • Verkaufsorganisation (z.B. 1010 für Deutschland)
  • Vertriebsweg (z.B. 10 für Direktverkauf)
  • Sparte (z.B. 00 für „spartenübergreifend")

Wichtig: Wenn du einen Kunden in verschiedenen Vertriebsbereichen verwenden willst (z.B. Direktverkauf und Großhandel), musst du die Vertriebsbereichsdaten für jeden Bereich separat pflegen.

Die vier Registerkarten der Vertriebsbereichsdaten

Damit die Datenpflege übersichtlich bleibt, sind die Felder auf vier Registerkarten verteilt — die wichtigsten:

  • Aufträge — Daten zum Bestellverhalten, Kundenschema, Versandbedingungen
  • Versand — Lieferwerk, Lieferpriorität, Komplettlieferung-Kennzeichen
  • Fakturierung — Zahlungsbedingungen, Incoterms, Kontierungsgruppe, Steuerklassifikation
  • Partnerrollen — Auftraggeber, Warenempfänger, Rechnungsempfänger, Regulierer

Schicht 3 — Buchungskreisdaten (Rolle „FI Debitor")

Buchungskreisdaten sind für die Buchhaltung relevant und gelten für den jeweiligen Buchungskreis. Sie werden oft von der Buchhaltung selbst gepflegt.

Wichtigstes Feld in den Buchungskreisdaten:

  • Abstimmkonto — z.B. 12100000 (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen). Über dieses Sachkonto werden Debitorenbuchungen automatisch im Hauptbuch mitgebucht. Mehr dazu in unserem Artikel Debitorenbuchhaltung in SAP S/4HANA.

Konkretes Beispiel — einen neuen Kundenstammsatz anlegen

Beispiel-Szenario: ein Neukunde möchte Materialien bestellen. Du legst einen Stammdatensatz an mit folgenden Werten (Auszug):

Grunddaten

  • Geschäftspartner: T-CUS##
  • Gruppierung: Ext. alphanum. Nummer (a-z; CUST/VEND)
  • Name 1: „Motorräder und mehr"
  • Rollen: FLCU00 (FI Debitor) + FLCU01 (Kunde)

Adresse (allgemeine Daten)

  • Straße: Hauptstraße
  • Postleitzahl: 20111
  • Ort: Hamburg
  • Land: DE (Deutschland)
  • Region: HH (Hamburg)
  • Sprache: DE

Vertriebsbereichsdaten

  • Verkaufsorganisation: 1010
  • Vertriebsweg: 10
  • Sparte: 00
  • Währung: EUR
  • Versandbedingungen: Standard ##
  • Lieferwerk: 1010
  • Incoterms: Geliefert benannter Ort, Hamburg
  • Zahlungsbedingungen: ZB00 Sofort zahlbar ohne Abzug
  • Kontierungsgruppe: Inlandseinnahmen
  • Kundenschema: S (Vertrieb Standard)
  • Steuertyp (DE): TTX1, Steuerklassifikation 1 (Steuerpflichtig)

Buchungskreisdaten

  • Buchungskreis: 1010
  • Abstimmkonto: 12100000

Beim Speichern wird in den Vertriebsbereichsdaten automatisch der Geschäftspartner als Auftraggeber, Warenempfänger, Rechnungsempfänger und Regulierer eingetragen — die vier Standard-Partnerrollen für einen Kunden, der diese Funktionen alle selbst übernimmt.

Die vier Standard-Partnerrollen im Vertrieb

Im Beispiel oben wurden vier obligatorische Partnerrollen automatisch befüllt — jeder Kundenstammsatz braucht sie:

  • Auftraggeber (AG) — wer den Kundenauftrag erteilt
  • Warenempfänger (WE) — wer die Ware physisch empfängt (kann eine andere Adresse sein, z.B. Filiale)
  • Rechnungsempfänger (RE) — wer die Rechnung bekommt
  • Regulierer (RG) — wer die Rechnung bezahlt (z.B. Konzern-Zentralkasse)

In den meisten Fällen ist das alles dieselbe Partei. Bei Konzernkunden können diese Rollen aber aufgeteilt sein: Auftraggeber ist die Tochtergesellschaft, Warenempfänger ist eine konkrete Filiale, Rechnungsempfänger ist die Konzernverwaltung, Regulierer ist die Konzern-Zentralkasse.

Stammdaten in Sichten organisiert

SAP-Stammdaten sind in Sichten organisiert, die jeweils einer Organisationseinheit zugeordnet sind (Werk, Verkaufsorganisation, Buchungskreis usw.). Diese segmentierte Struktur sorgt für Flexibilität — und für etwas, was in der R/3-Welt fehlte: Datenintegrität.

Wenn alle relevanten Daten (Geschäftspartner, Materialien) in ein einziges Datenbankobjekt integriert sind, entfällt das Problem der Datenredundanz. Vertrieb, Einkauf, Bestandsführung, Disposition, Rechnungsprüfung, Finanzwesen und Personalwesen greifen auf dieselben Daten zu — das ist einer der Hauptvorteile von SAP S/4HANA gegenüber dem alten R/3-System mit getrennten Debitoren-, Kreditoren- und Geschäftspartner-Welten.

Zahlungseingang vom Kunden buchen — der Anschluss an den Workflow

Im Vertriebsprozess folgt nach der Faktura der Zahlungseingang. Dieser wird in der Finanzbuchhaltung gebucht — und die entsprechenden Sachkonten werden üblicherweise automatisch fortgeschrieben:

  • Eine Sollbuchung auf das Zahlungsmittelkonto (z.B. Bank).
  • Eine Gutschrift auf dem Forderungskonto des Kunden.

Typische Werte beim Buchen eines Zahlungseingangs:

  • Buchungsbelegart: DZ (Debitorenzahlung)
  • Sachkonto: 11100000 (Bank)
  • Buchungskreis: 1010
  • Währung: EUR

Konkrete Beispielrechnung mit Skonto: bei einer Faktura über 1.276 € und einem Skonto von 38,28 € überweist der Kunde 1.237,72 €. Wenn der Zahlungseingang erfolgreich gebucht ist, ändert sich der Status des Buchhaltungsbelegs auf „Vollständig ausgeziffert".

Was Anwender konkret im Job tun

Die Pflege von Kundenstammdaten ist keine alltägliche Aufgabe — sie passiert beim Onboarding eines Neukunden oder bei größeren Datenpflege-Aktionen. Aber JEDER Vertriebsmitarbeiter, der einen Kundenauftrag anlegt, eine Lieferung versendet oder eine Faktura erstellt, profitiert von gut gepflegten Stammdaten:

  • Falsche Adresse → Lieferung geht zurück → Kosten
  • Falsche Zahlungsbedingung → Rechnung mit zu großzügigem Skonto → Margenverlust
  • Falsche Steuerklassifikation → falsche Umsatzsteuerausweisung → Compliance-Risiko
  • Fehlende Partnerrollen → Beleg kann nicht angelegt werden, Prozess steht

Wer als SAP-Anwender im Vertrieb arbeitet, sollte deshalb mindestens das Konzept der drei Datenebenen verstehen — auch wenn die Pflege selbst meist von Stammdaten-Sachbearbeitern oder der Buchhaltung gemacht wird.

Mit Übungsfragen vertiefen

Du bereitest dich auf die SAP SD Anwenderzertifizierung (UC_SD_S42023) vor und willst Stammdaten-Fragen sicher beantworten? Auf sapprep.de hast du 300 prüfungsnahe SD-Fragen mit ausführlichen Erklärungen — strukturiert nach den offiziellen Themenblöcken inkl. Stammdaten, Verkaufsbelege, Auslieferung, Faktura und Reklamationen. Erste 15 Fragen kostenlos: app.sapprep.de/demo. Mit dem Code SOFORT15 bekommst du 15 % Rabatt für den vollen Zugang ab 59 €.

Verwandte Themen

Offizielle Quelle

Die Inhalte dieses Artikels beziehen sich auf die offizielle SAP-Zertifizierung (UC_SD_S42023). Den verbindlichen, aktuellen Stand – Prüfungsaufbau, Themen und Voraussetzungen – findest du direkt bei SAP:

Bereit für die SAP SD Prüfung?

Starte mit 15 kostenlosen Fragen oder schalte alle 300 SAP SD Übungsfragen frei — ab 59€, lebenslanger Zugang.

Bereit, die SAP® Prüfung anzugehen?

1.379 simulierte Übungsfragen für FL, FI, MM, SD, EWM & HCM — mit Erklärungen, Timer und Prüfungssimulation.

Wenn dir das geholfen hat

Bekomm Bescheid, wenn der nächste Beitrag online ist — neue YouTube-Videos, Lernmaterialien und Demo-Fragen. Max. 1–2 Mails pro Monat.

Du erhältst eine Bestätigungs-E-Mail. Erst nach Klick darin bist du eingetragen. Datenverarbeitung gemäß Datenschutzerklärung.